Die erstaunliche Lebensgeschichte einer Bewohnerin vom Altenheim ”Barmherzige Samariter” aus Straseni

Es gibt Menschen mit einem besonderen Schicksal, die schwierige Momente in ihrem Leben durchstehen mussten und viele Hindernisse überwunden haben. Sie haben es geschafft, das Licht in ihren Seelen zu bewahren. So ein Mensch ist die 84 jährige Frau Efrosinia aus dem Altenheim „Barmherziger Samariter“.

Frau Efrosinea wurde in einem Dorf im Süden Moldawiens geboren. Sie kommt aus einer Familie mit 5 Kindern. Der Vater wurde drei Mal als Bürgermeister gewählt, bis die Bolschewiken kamen und die Familie enteigneten. In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 1941 klopfte die russische Sicherheitspolizei an ihre Tür. „In jener Nacht wurden drei Familien aus unserem Dorf deportiert, unter ihnen war auch unsere Familie“, erinnert sich die alte Frau. Zu Hause befanden sich nur Frau Efrosinea, ihre Mutter und der älteste Bruder mit seiner Familie. Der Vater war im Obstgarten. Er hegte die Kirschen, die er in Rumänien  verkaufen wollte.

Die Bolschewisten haben sie belogen und gaben vor, dass sie nur für drei Monate in ein Lager fahren und bald zurückkehren würden. Deswegen haben sie ihnen empfohlen, nur ein paar Kleidungsstücke und etwas zu essen mitzunehmen.

Es herrschte Krieg und während die sowietischen Truppen nach Westen marschierten, wurden ganze Gruppen mit moldawischen Männern, Frauen und Kindern in unbewohnte Orte in Sibirien in Arbeitslager  deportiert. Viele sind nicht mehr zurückgekehrt, unter ihnen auch der Vater von Frau Efrosinea.

Vom 13. bis 22. Juni 1941 wurden Frau Efrosinea (damals 10 Jahre alt), ihre Mutter, ihr Bruder, seine Frau und ihr 3 Monate altes Kind in ein Dorf in Kasahstan deportiert. Das Kind überstand die infernalische Fahrt nicht. Es starb im stickigen Waggon. In Kasahstan trafen sie auch andere Familien von Moldauern, Bulgaren, Chechenen und Russen, die ebenfalls aus ihrer Heimat deportiert wurden, nur weil sie Intellektuelle und Hofbauern waren.

Sie waren dort in Baracken untergebracht. In einem kleinem Zimmer lebten 4-5 Familien. Sie mussten schierige Arbeiten erledigen, sogar die Kinder blieben davon nicht verschont. Die ältesten Kinder pflügten den Ackerboden mit Hilfe von Ochsen. Viele hungerten. Man bekam 200 Gr. Brot und zweimal pro Tag Wasser, die anderen Lebensmittel waren für die Front bestimmt. Ein Jahr, nachdem sie Russisch gelernt hatten, wurde den Kindern erlaubt, die Dorfschule zu besuchen.

Erst 1956, drei Jahre nach Stalins Tod, wurde den Moldauern aus Kasahstan erlaubt, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Sofort, nachdem diese Erlaubnis in Kraft trat, ging die Mutter von Frau Efrosinea 30 Km zu Fuß bis in die nächst- gelegene Stadt, um einen Antrag bei den Behörden zu stellen und sie darüber zu informieren, dass ihre Familie nach Moldawien zurückkehrt.

Frau Efrosinea war in jener Zeit schon mit einem Mann deutscher Abstammung verheiratet. Sie hatten zwei Töchter. Die junge Familie war froh, nach Moldawien zurückzukehren.

Es war eine sehr große Freude, die Schwester nach 15 Jahren wiederzusehen. Frau Efrosinea und ihr Mann ließen sich in ihrem Heimatdorf nieder. Sie haben ein Haus gebaut und eine Arbeit gefunden. Der Mann von Frau Efrosinea war ein begabter Mechaniker. Er arbeitete als Ingineur für Traktoren und Frau Efrosinea als Putzfrau in der Dorfklinik.

Heute hat Frau Efrosinia nur eine Tochter und fünf Enkelkinder, die sie sehr liebt. Sie entschied sich selbst, in ein Altenheim zu gehen, weil sie ihre Tochter nicht belasten will. Ihre Tochter besucht sie regelmäßig und zeigt dadurch die Liebe zu ihrer Mutter.

Diese 40.-50. Jahre sind eine schwarze Zeit in der Geschichte Moldawiens. In dieser Zeit wurden viele Gräuel an den Moldauern von Bolschewisten verursacht. Sie wollten die Gleichberechtigung bringen, aber erreichten nichts anderes als politischen Terror, Repressalien, massenhafte Deportationen, organisierte Hungersnot, erzwungene Kollektivierung der Bauernhöfe,  Verheerung und Profanierung von Kirchen und Klöstern, Zerstörung von nationalen Kulturgutes zu verursachen.

In der Nacht von 12. auf den 13. Juni 1941 wurden über 31.000 Menschen verhaftet und deportiert. Das war die erste Deportationswelle. Insgesamt, haben über 86.000 Menschen in Basarabien in der Zeit unter der Sowjetischen Besatzung gelitten.

Es gibt heute noch Menschen in der Republik Moldau, die  die Folgen der sowietischen Besatzung zu spüren bekommen. Wir hoffen aber auf eine bessere Zukunft für unser Land!

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